GLASKASTEN Prinzenallee an Münchner Investor verkauft

Caroline Schroeck auf dem HochseilZukunft hängt an dünnem Seil

Weddings berühmtes historisches Ballhaus GLASKASTEN in der Prinzenallee 33 ist samt Wohnungen und Restaurant an den Münchner Investor Felsner (Firma Global Immoinvest) verkauft worden. Der Mietvertrag für die Nutzung wurde zum 31. Januar gekündigt.

Damit sitzen die seit 14 Jahren im GLASKASTEN trainierenden Artisten auf der Straße. Auch die von ihnen ausgebildeten Kursgruppen und die z.B. vom Quartiersmanagement geförderten Workshops sind ohne Trainingsraum. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind hier ausgebildet und gefördert worden; seit einem Jahr gibt es sogar eine Zirkus-Seniorengruppe.

Die Künstlergruppe um das Artistenpaar Caroline Schroeck und Gilles Le Leuch hat erfolgreiche Shows in diesem bekannten Veranstaltungsort geboten. Bisher zahlte die Gruppe nur eine relativ geringe Miete für die Nutzung des für Artistik und Varieté gut ausgestatteten Saales. Hier konnten nicht nur Theaterproben und Aufführungen, sondern auch Musicals, Chöre, Kindertheater und die beliebten Artistikworkshops stattfinden, von den Kleinstartisten bis zu den Senioren. Das alles ist nun in Gefahr. Das betrifft auch das afrikanische Restaurant im Vorderhaus. Die Senioren weisen in einem Protestbrief darauf hin, dass ein Großteil der Familien im Soldiner Kiez über ein eher geringes Einkommen verfügt.

Der GLASKASTEN ist eines von fünf verbliebenen Ballhäusern – von den einst 100, die es in den 1920er Jahren in Berlin gab. Das Haus wurde in den Jahren 1903 bis 1907 gebaut. Nach einer wechselvollen Geschichte (u.a. Versammlungsraum der KPD, später Folterkeller der SA) stand das Gebäude von Anfang der 80er Jahre bis zur Sanierung Ende der 90er Jahre leer. Der bisherige Eigentümer „Zukunft Bauen e.V.“ hatte dann in Abstimmung mit dem Senat und dem Bezirksamt Wedding das Konzept für einen multifunktionalen Kulturstandort erstellt.

Jetzt aber hat der Träger „Zukunft Bauen e.V.“ das Haus komplett verkauft. Geschäftsführer Baumhoff argumentiert, der GLASKASTEN habe sich nie selbst getragen, die Betriebskosten seien stets höher als die Mieteinnahmen gewesen.

In einem Brief an die politisch Verantwortlichen fragen die Betroffenen, warum der GLASKASTEN, der mit Millionen öffentlicher Gelder saniert worden ist, von dem Träger „Zukunft Bauen e.V.“ an einen privaten Besitzer verkauft werden durfte: „Wenn der Senat für den Berufsverband bildender Künstler Berlin e.V. (bbk berlin e.V.) Atelierräume ankauft, damit sie zu bezahlbaren Preisen an Künstler vermietet werden können, warum unterstützt er nicht ebenso vorhandene Räume, um Strukturen zu erhalten?“ Denn gerade in einem sozialen Brennpunkt wie dem Soldiner Kiez, in dem sich das Quartiersmanagement darum bemüht, bezahlbare kulturelle Angebote ins Leben zu rufen oder zu fördern, wäre das äußerst wichtig. Die Kiezbewohner können sich sehr häufig marktübliche Gebühren nicht leisten.  (Rainer Scholz)

Dieser Beitrag wurde unter BO Wedding veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.